Direkt zum Hauptbereich

Ein kleiner, zorniger Vortrag (zur Abwechslung).

Ein Artikel über pränatale Diagnostik in einem großen deutschen Nachrichtenmagazin.
Einige wohlgewägte Betrachtungen.
Eine unsägliche Phrase.
Nun ja, mehr als nur eine Phrase. Eine unsägliche Idee, die zum Klischee verkommen ist.
"Wenn sich Eltern gegen ein schwerbehindertes Kind entscheiden, so stellt dies eine Herabsetzung schwerbehinderter Menschen dar."
Der größtmögliche Blödsinn für die größtmögliche Menschenmasse ...
Hier will sich der hässliche Aberglaube, dass ein Fötus einem vollwertigen Menschen gleichzusetzen sei, durch die Hintertür wieder einschleichen. Die Aussage impliziert nicht weniger. Denn nur, wenn ich das voraussetze, macht der Schluss Sinn. Wir töten einen Menschen aufgrund seiner Behinderung.
Aber es ist noch kein Mensch. Es ist nur das Potential eines solchen. Was getan wird, ist einem zukünftigen Menschen eine Behinderung zu ersparen. Stellt das eine Herabsetzung dar? Beleidige ich das Kind mit Down-Syndrom von nebenan, wenn ich meinem eigenen Kind dieses Schicksal ersparen will? Ist es Herabsetzung der Blinden, wenn mein Kind sehen soll?
Ein Teil ist eventuell auch durchaus wohlmeinend begründet. Wir haben es uns schwer erkämpft, dass wir in Behinderten Menschen sehen. Und darum vielleicht, ganz am Rande, die Behinderung zu etwas Positivem umgedeutet. Eine Absurdität, auf die vernünftige und aufgeklärte Menschen eigentlich verzichten können sollten.
(Eigentlich ein hässlicher Gedanke. Müssen wir uns wirklich um die Natur der Realität selbst täuschen, um gute Menschen zu werden? Ich denke nicht ... und das erledigt dann auch Voltaires Gottesargument.)
Blödsinn, wie ich sage.

Ich denke, bei einem derartigen Fehlschluss kommt noch ein anderer Fakor ins Spiel, das Emotionale. (Wie üblich).
Treibe ich ein Kind ab, beende ich damit eine Schwangerschaft - ein realer, erlebbarer, fühlbarer Zustand. Es ist eine negative, eine finalisierende Handlung. Derselbe Vorgang findet auch bei der künstlichen Befruchtung statt. Embryonen werden darauf selektiert, ob sie überleben werden. Und niemand zerbricht sich den Kopf, ob diese Selektion eine Herabsetzung der Todgeweihten darstellt - denn am Ende des Vorgangs steht ein positives Ergebnis.
Gelänge es uns, den Kreislauf von pränataler Diagnostik, Selektion und erneuter Schwangerschaft zu beschleunigen, bis es keinen gefühlten Unterschied mehr gäbe, so würde die Debatte vermutlich im Nichts verschwinden. Emotionale Argumente haben in einer rationalen Ethik nur bedingt Platz. Wir müssen sie miteinbeziehen, ja, aber doch um Himmels willen nicht als Vorgabe nehmen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Projekt Futurum Perfekt 5: Lebenserhaltung

Dieses hier nur ein kleiner Post, in dem ich eine Sache unterbringe, die keinen rechten Platz zu haben scheint, Essentiell für das Spiel, aber schwierig zu kategorisieren.  Zustand Die allgemeine Eigenschaft Zustand ist die spieltechnische Repräsentation der momentanen physischen Verfassung des Charakters. Er ist eine Abstraktion für eine ganze Sammlung verschiedener körperlicher Eigenschaften wie etwa Kraftverlust, Ermüdung, kleinere Verletzungen und dergleichen mehr. Beziehungsweise deren Fehlen - je mehr Zustand, desto näher ist ein Charakter an seiner absoluten Leistungsspitze. Der Zustand beschreibt nicht ernsthafte Verletzungen - dafür ist die Verkrüppelung -Regel gedacht. Der maximale Zustand eines Charakters entspricht einem Wert von zwanzig Punkten plus seinem In Corpore Sane - Wert. Zustand kann ein Charakter auf zweierlei Arten verlieren. Im Kampf kann ein Charakter mittels Waffen seinen Gegnern Zustand direkt nehmen - und umgekehrt. Die Mechanismen werden i...

Projekt Futurum Perfekt 9d - 2: Psioniker: Techniken

Meine Titel werden auch immer komplizierter. Es sollte sich nach dieser Orgie dann langsam wieder beruhigen. Jetzt also Techniken. Ich habe nur kurz darüber nachgedacht - Psionikerklassen ohne Techniken sind einfach völlig nutzlos. Und in dieser Hinsicht halte ich es für äußerst unklug, es dem Spieler selbst zu überlassen. Wird auch so schon genug Schlupflöcher geben. Die Techniken sollen nicht nur interessant sein, sondern auch dem Ton des Settings entsprechen. Also keine Magie, sondern Jahrhundertwende-Mystik, beschränkt auf seltsame Effekte und absonderliche Kräfte. Am meisten Sorgen macht mir das Festsetzen der Wirkungen. Es müssen ganz exakte Zahlenwerte sein, damit das Überdosierungssystem einigermaßen hinhaut, aber es darf auch nicht zu viel werden. Und es muss natürlich alle Eventualitäten abdecken. Na, mal sehen, wie ich mich anstelle. Psionische Techniken    Psionische Techniken können von allen Charakterklassen erlernt werden, die die nötige Eigenschaft ...

Projekt Futurum Perfekt 4: Fähigkeiten

Aus der Rückschau heraus scheint mir, ich werde das Ganze wohl noch einmal überarbeiten und vor allem systematisieren müssen. Nun ja, es war ja von Anfang an als Experiment gedacht. Hier also jetzt die Kernbestandteile des Regelsystems. Fähigkeiten Sie unterteilen sich in allgemeine und spezielle Fähigkeiten. Jeder Spielercharakter besitzt alle fünf allgemeinen Fähigkeiten - in unterschiedlicher Höhe, natürlich. Sie decken alle möglichen Handlungsmöglichkeiten ab, die jeder Mensch (oder Venusier/Marsianer) haben kann. Spezielle Fähigkeiten kann ein Charakter durch eine bestimmte Charakterklasse erwerben. Sie betreffen Bereiche, die nicht jedem Menschen so ohne weiteres offenstehen, oder sie fassen bestimmte Unterteilungen neu zusammen. Steigerungen und Werte Jede Fähigkeit hat einen bestimmten Wert, der in der Fähigkeitenprobe zum Tragen kommt. Dieser Wert kann durch Begehrenswerte Punkte (BPs) gesteigert werden. Spieler erhalten BPs bei der Erstellung ihres Charakters sowie na...