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Es werden Posts vom 2017 angezeigt.

Kontrolle

„Man müsste doch nur …“ „Es wäre so einfach, wenn …“ „Da müsste nur mal einer …“ Hier, genau hier ist die Wurzel. Es spielt keine Rolle, ob der Gedanke von oben nach unten, von rechts nach links, oder eben genau umgekehrt gespielt wird – es ist derselbe. Hier fängt der Weg an (oder vielmehr: Hier liegt eine seiner Quellen), der zu den gewohnten Hässlichkeiten führt, zu den Untaten die, mal verschämt, mal stolz im Namen dieser oder jener Sache getan werden, getan werden müssen, sollen, dürfen. Es ist der Wunsch nach der ordnenden Hand, nach der einfachen Lösung. Aber, mehr noch, es ist ein Trugschluss gegenüber uns selbst.  Denn dieser „man“, der da müsste, das sind ja wir, das ist „man“ selbst, vergrößert vielleicht, schöner, härter, mächtiger, aber eben doch unser eigener Blick. Wir meinen, wir sehen von schräg oben auf die Welt, und könnten hineingreifen, richten, ordnen, alles recht zusammenfügen, wenn …  Ja, wenn. Wenn denn nur die anderen nicht wären...

Un-Sinn

Sinn ist ein menschlicher Begriff. Man sieht es, vergleicht man zielgerichtetes Handeln mit Instinkt. Letzteres ist einfach, im Prinzip zumindest. Wenn - dann. Nehmen wir die Fliege: Wenn Hunger, dann Suchen. Wenn Gefunden, dann Anfliegen & Auskotzen. Wenn Aufgelöst, dann Aufsaugen. Es gibt keinen Raum für Abweichen, für Neubewertung. Es gibt kein Ziel - weil kein Ziel nötig ist. Die Fliege muss nicht wissen, was Hunger ist, was Nahrung, um Erfolg zu haben. Nicht einmal ein Selbst ist notwendig. Der Sinn ist flexibler. Warum Suchen? Um zu Essen. Warum Essen? Weil Hunger. (Hunger ist, natürlich, aus sich selbst heraus verständlich.) Und hier die Möglichkeit zur Abweichung, zur Verbesserung. Wenn ich weiß, was der Sinn, das Ziel ist, dann kann ich es anders, schneller, besser, oder doch zumindest mit Salatbeilage erreichen. Aber hier liegt auch gleichzeitig der Irrtum begründet. Wir legen den Sinn nach außen - die Nahrung ist dafür da, den Hunger zu stillen, der Speer (Bogen/...

Story Seed, die erste

Okay, neues Label. "Story Seed". Soll heißen, eine grundlegende Idee, aus der man eventuell eine Geschichte, eine Mythopoeia, einen Hintergrund oder so etwas Ähnliches basteln könnte. Eben Seed. Muss noch wachsen. Hier zur freien Verwendung, falls sich jemand bemüßigt fühlt, die eigentliche Arbeit zu erledigen. Heute: Science-Fiction. Also nehmen wir eines der bekanntesten Probleme für gutes Storytelling in Geschichten über Zukunft, Weltraum und fahrende Mülltonnen, die "Bip" machen: Lichtgeschwindigkeit. Die Physiker sind da recht deutlich. Drüber geht einfach nicht. Nicht so leicht, zumindest. Nicht mit einer zimmergroßen, blau leuchtenden Requisite oder einem Knopf, der die Sterne zu Streifen werden lässt. Theoretische Lösungen bewegen sich eher im Rahmen von "und dann nehmen wir unendlich viel exotische Materie, um das sich schnell drehende schwarze Loch stabil zu halten, während alle Energie im Universum ... " Und das ist ein Problem, ein Pro...

Feministisches

 Facebook, 23.03.2017 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1499538853390726 Und plötzlich fällt es mir auf. "Ladies first" - das ist eine Geste der Kontrolle. Wer den anderen zuerst gehen lässt, dominiert die Situation. Er sieht sie, sie sieht ihn nicht. Wer hinten geht, hat beim Konflikt den Vorteil. Und häufig deckt er dadurch auch den Fluchtweg. Winzige Bedrohungsfragmente, in unsere Alltagskultur hineingewoben ...

Moral für alle

Facebook, 15.02.2017 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1464082486936363 Wenn es eine Moral gibt - wenn diese Forderung an dich, am mich, an jeden, wirklich besteht, wirklich einzulösen ist - dann kann sie nicht begrenzt sein. Was Leid ist, ist Leid an jedem Ort, zu allen Zeiten. Was falsch ist, richtig, zu tun, zu lassen, zu stärken, mehr werden zu lassen, das kann nicht an irgendeiner Stelle begrenzt werden, gesagt werden "gut, bis hierhin sind wir gut, aber dann nicht mehr". Und dann gibt es keine Entschuldigungen. Wenn eine Handlung moralisch ist, sind es alle Handlungen. Wenn ich weiß, dass es das Schlechte, Falsche, Beabschaffenswerte gibt, dann muss ich handeln, nach meinem besten Vermögen und meinem aktuellsten Wissen. Und wir wissen, nicht nur vage ahnen, nicht nur vermuten, nein wissen, wirklich wissen so viel. Jeder Cent, den ich verdiene, den ich nicht brauche, um genauso gut zu leben wie der allerärmste Mensch auf der Welt, ist ein blut...

Freier Unwille

Facebook, 23.01.2017 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1441253809219231 "Also sagen Sie auch weiterhin, dass es so etwas wie einen freien Willen gar nicht gibt?" "Jawohl, das tue ich." "Und die persönliche Verantwortung des Einzelnen, die freie Fähigkeit zur Schuld, das gibt es dann auch nicht?" "Das ist, was ich für wahr halte. So sehr ich wollen würde, anders zu glauben, ist es doch nicht möglich." "Aber ... aber dann fällt doch alles weg. Die Fähigkeit zur Schuld .... der Unterschied zwischen Gut und Böse ... die Möglichkeit zur Bestrafung ... alles weg. Es bleibt die reine Anarchie. Jeder kann tun und lassen, wozu er lustig ist. Schuld ist niemand mehr." "Und sehen Sie, genau hier liegt Ihr Fehler. Wer auf die Freiheit der Entscheidung als Konzept verzichtet, der führt nicht die völlige Willkür des Handelns herbei, er mindert sie im Gegenteil sogar noch. Wo der Einzelne nicht mehr letzte Ursache sein...

Herbstliches

 Facebook, 01.11.2016 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1349823061695640 Denkst du manchmal an das Ende? In den letzten Stunden, wenn Wasser die Lungen füllt, Tropfen für Tropfen? Wenn der Schmerz in Atem, Händen, Gliedern liegt. Wenn sich grauer Nebel zwischen dich und die Welt schiebt? Weiße Gestalten, die um dein Bett herumtanzen, eine Sprache sprechend, die du schon lange nicht mehr verstehst. Und jeder Atemzug ist schlimmer als der letzte und vielleicht wird das Summen der Geräte das Einzige sein, was du am Schluss noch hörst. Jetzt gleitet dein Blick zur Uhr. Wie lange noch, bis du in dieses kleine Zimmer kommst? Vierzig Jahre? Fünfzig? Das sind ... vielleicht 550 Monate? Ein paar tausend Tage? Noch zwanzig mal so viele Stunden? Da. Wieder eine weg. War sie es wert? Hast du sie genutzt? Das Beste aus ihr gemacht? Wie bemessen? War deine Arbeit darin wichtig genug? Deine Gedanken profund genug? Deine Unterhaltung bedeutsam genug? Hast du genug Ha...

Humanistischer Reduktionismus

Facebook, 20.10.2016 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1339040309440582 Vielleicht ist es das. Wir neigen zum Messianismus. Nicht nur in Bezug auf Leute. Mehr noch in Bezug auf Eregnisse, Zeitpunkte, solche Dinge. Wir erwarten von einer Veränderung, dass sie allumfassend ist. Wenn ich erst den neuen Job habe, habe ich endlich genug Geld. Wenn Opa Ignatz' Husten endlich weg ist, dann geht es uns allen wieder gut. Wenn ich nur mit Rickard Stälhardt zusammenkomme, dann geht auch meine Depression endlich vorbei. Wir erwarten klare, definite Kausalitätsfolgen. Wenn A dann B, dann C. Aber in Wirklichkeit ... A folgt (vielleicht, ein bisschen), weil C, D, F und Sinus³ zum selben Tag auf Y trafen, aber nur bei Mondstand L und weil P gerade mit I in der anderen Stadt war, und wäre F nicht mit D zusammengetroffen, bevor ... (etc.) Unsere Wirklichkeit ist graduell, nicht diskret. Veränderungen werden nicht sofort wahrgenommen - sonst würden sie nicht s...

The need of the many ...

 Facebook, 29.08.2016 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1318185641526049 Wenn wir also dem Individuum das Recht zugestehen, für sich selbst zu entscheiden, in einem gewissen Rahmen, welche Eigenheiten, Verhaltensweisen, Daseinsformen er oder sie abstoßend, welche er für anziehend befindet und also dementsprechend handelt; wenn wir also dies auf der einen Ebene für anerkennenswert halten, so muss es doch auf auf der anderen ebenso sein? So müssen wir akzeptieren, dass auch eine Gruppe dies für sich fordern kann, in ihrem Wirkungsrahmen, in ihrem ihr eigentümlichen Raum, eben diese oder jene Verhaltensweise, Eigenheit, Zustandsform abzulehnen oder doch zumindest eingeschränkt oder vermieden zu sehen. Was aber ist hier mit dem Individuum? Mir scheint, es kann nur ein Recht in Anspruch nehmen, nämlich jenes, sich der Wirkungssphäre jener Gruppe zu entziehen und einen Ort aufzusuchen, wo es seinen Bevorzugungen gemäß handeln kann, und nicht gezwungen...

Dialog über Ontologie und Plumbeutler

 Facebook, 16.01.2016 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1136314656379816 "Also, mein Herr: War es nun Glück, Schicksal, oder Zufall?" "Sehen Sie, das Problem mit derartigen Kategorien ist, dass wir hier über etwas reden, dass wir nicht nur nicht wissen, sondern sogar notwendigerweise nicht wissen können." "Was wollen Sie damit sagen, Sie hypothetischer Dialogpartner?!" "Kein Grund, beleidigend zu sein. Also, sehen Sie, es ist doch so: Was wir wissen müssen, um den allergrößten Teil unserer Entscheidungen - alle Arten von Entscheidungen - zu treffen, bewegt sich doch in einem eng begrenzten Referenzrahmen. Wir kennen eine bestimmte Anzahl an Menschen, sind mit einer bestimmten Zahl an Maschinen vertraut, beherrschen einen Wortschatz bestimmter Größe und so weiter. All diese Dinge wiederholen sich und sind uns verständlich. Aber die uns umgebende Maschinerie, der Gesamtkosmos, ist unendlich größer. Und ab uns zu tritt...

Für meinen Leser

 Facebook, 08.12.2015 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1113404885337460 Für denjenigen welchen. Er weiß, wer gemeint ist. Es gibt eine Sprache vor der Sprache. Die pimären Begriffe unserer Weltanschauung sind nicht aus Worten, Sätzen und Begriffen geformt, sondern aus einem sehr viel ursprünglicheren Code. Worin wir zuerst denken, ist das Unmittelbaren, Unleugbare - die Eindrücke, Empfindungen, Impressionen. Und daher kann die Kommunikation mit dem anderen nicht als Ausgangspunkt einer fundamentalen Theorie dienen. Sie ist zu messen an der eigentlichen Fundamentalkonstante: Der ständigen, unkontrollierbaren, außerhalb unserer Einflußnahme liegenden Empirie. (Denn wir können nur beeinflußen, was wir wahrnehmen, nicht aber dass.) Die Sprache, die wir im MIteinander verwenden, ist daher letztlich nicht deskriptiv. Sie beschreibt nicht etwa etwas, sondern verweist darauf. Sie ist Instrument unserer Wahrnehmung - wir reden, und es verändert sich das ...

Selbstkasteiung

Facebook, 01-08-2015 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1047151065296176  Mein Makel: Diejenigen zu hassen, die es besser können, als man selbst. (Für ein frei einsetzbares "es"). Sollte die Anwesenheit eines Meisters, eines Könners nicht eine angenehmer Zustand sein? Freude daran finden, das, was man schätzt, auf noch bessere Weise ausgeführt zu sehen? Um der Sache selbst? Aber diese seltsame innere Verdorbenheit vergiftet es. Das gequälte Ego ist persistent. Vielleicht liegt es daran, dass "Sie ist darin besser als ich" und "Sie ist besser als ich" so nahe beieinander liegen. Die Verknüpfung von Leistung und Menschlichkeit ... eine, Eigenschaft des (wenn ich hier kurz die Hand heben darf ... nein, nicht die, die linke ... ja, genau, mit Faust und angewinkelt) Kapitalismus. Und andererseits - egal welchem Maßstab wir anlegen, irgendjemand ist schließlich immer besser. Auch das "Wesentliche, für das Auge unsichtbar...

Schweinemoral

  Facebook, 02.07.2015 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1030092470335369 Gerade eine traurige kleine Geschichte über ein Schwein gelesen. Mir scheint, es sagt einiges über die menschliche Natur aus, dass mir das Leid einer völlig fiktiven Kreatur nähergeht als fast alles wirklich existierenden solchen. Unsere Emotionen sind kein Gradmesser der Wirklichkeit und können es auch nicht sein.

Freie Unmoral

  Facebook. 20.06.2015 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1020008181343798 Moral ist der Feind der Freiheit. Was als richtig erkannt wurde, kann nicht mehr Gegenstand der Entscheidung sein. Eine wirklich freie Entscheidung kann es nur unter gleichwertigen Möglichkeiten geben. Daher ist die freie Entscheidung zum Richtigen gleichermaßen widersprüchlich wie verdächtig. Wer wirklich glaubt, das Gute gegenüber dem Schlechten abgegrenzt zu haben, kann diese Erkenntnis nicht nur auf sich beziehen. Der andere muss Subjekt derselben moralischen Gegebenheiten sein wie ich, denn diese Gegebenheiten fordern ja eben universelle Anwendung - Moral bezieht sich immer auf die Gemeinschaft. Selbst, wer Verpflichtungen gegenüber dem Selbst postuliert (hallo, Kant) betrachtet in diesem Selbst den hypothetisch anderen. Daher misstraue ich denen, die mir sagen, die "für sich" richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie kann nur für alle richtig sein, denn was w...

Dauerhaftes

  Facebook, 08.06.2015 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/1012652105412739 "... wünschte ich mir, es würde ewig dauern." "Aber das kann es doch gar nicht - und du weißt es auch. Alles, was du erfährst, muss sich verändern, denn die Veränderung ist, was du erfährst. Nicht das Ding an sich, sondern sein Werden, Vergehen. Ziehen - Fließen. Anspannung - Entspannung. Was du als Empfinden eines Gegenstandes begreifst, ist das Empfinden seiner Veränderung. Und so kann echte Ewigkeit nur auch wieder stetige Veränderung sein. Dauer ist Stillstand ist Ende. Es über-dauert nur, was nicht dauert."

Axtmord-Aphorismus

  Facebook, 17.03.2015 https://www.facebook.com/simon.faber.9/posts/962295110448439 Authentizität an und für sich hat noch keinen moralischen Wert. "Ich bleibe mir selbst treu", sprach der Axtmörder, und fuhr fort, das Nonnenkloster zu entbeinen.

Gelaune

  Facebook, 21.02.2015 https://www.facebook.com/notes/simon-faber/gelaune/947552675256016 Es scheint es hat meinen alten Weblog zerschossen. Besser gesagt, eingefroren. Oder ich finde die richtigen Knöpfe einfach nicht mehr. (Das ist beschämend, also wahr.) Egal. Mir ist nach langer Zeit mal wieder nach ... hm ... Skribbeln. (Wie Kritzeln, nur mit Wörtern. Englischer Wortimport.) Muss also dieser Notizblock hier herhalten. Als ... Notizblock. Gut. Worum geht es? Goutierte ich gestern genüsslich eine gut geschriebene Gazette, da gewahrte ich grässlicher Gedankengängelei. Äh ... also ein Artikel über PID. Gentests. Solche Sachen. Und die alte Leier. "Mensch, sei gewarnt. Wer da testet, der aber treibt auch ab. Wer aber den Fötus mit Gendefekt abtreibt, der sage im Herzen, dass alle mit Trisomie 21 nicht mehr sein sollen." Solcherart Denke stimmt mich unfroh. Um also eine Lanze für die Eugenik zu brechen (der Führer wäre stolz) ... Zum ersten gib...

Es le-he-heebt

Oder zumindest wird es gerade auf die Metallplatte geschnallt und Elektroden werden an seinem Kopf befestigt ... Ich reanimiere dieses kleine Nicht-Projekt, hauptsächlich, um ein Archiv für die vielen Gedankenfetzen zu haben, die ich in den letzten paar Jahren auf Facebook gepostet habe. Einerseits, um den Kram hübsch übersichtlich zu halten. Anderseits, weil man mir gesagt hat, ich hätte eventuell einen zweiten Leser ... und wenn ich manche von meinen alten Sachen anschaue, graust es mich. Also eine Welle von neuen Philosophismen darübergelegt, bei denen es mich nicht ganz so sehr graust. Sollte ich Zeit und Energie übrig haben, schreibe ich vielleicht sogar ein paar neue Sachen ... aber solche Hoffnungsschübe hatte ich natürlich auch schon ein paar Mal. Ansonsten werde ich, denke ich, keine weiteren Aufräumarbeiten durchführen. Sollen die entsetzlich verschwurbelten Posts früherer Jahre als ein Mahnmal stehenbleiben ... oder, weil ich zu faul bin, sie zu löschen.