Da hat es, in einem der älteren DSA-Regelbücher, einen Passus, worin sich der Autor direkt an die Spieler wendet. Es geht um gutes Rollenspiel. Viele Spieler neigen dazu, gewisse Werte aus der Moderne in ihre fantastische Spielwelt mitzuführen. Ein Denken, dass aus einer demokratischen, modernen, egalitären, vielleicht sogar umweltbewussten Gesellschaft stammt, sieht sich konfrontiert mit einem Mittelalter. Durchaus geglättet, natürlich, geschlechtergerecht und weniger seuchenbelastet. Doch immer noch versehen mit Monarchen und Vögten, Henkern und Inquisitoren.
Man solle nun, so heisst es da, in dem aventurischen Monarchen nicht einen Alleinherscher sehen. Vielmehr eher so etwas wie einen König hinter den Bergen, in einem magischen Königreich. Durchaus mit der Möglichkeit, eine moralisch zweifelhafte Figur zu sein, doch keineswegs allein schon durch sein Königtum vorbelastet.
Es ist ein Gedanke, der, scheint mir, ebenso omnipräsent, in der Fantasy, wie falsch ist. Dass nämlich fantastischer Eskapismus untrennbar verbunden ist mit einem gewissen konservativen, autoritären Element. Könige, Adlige - das gehört einfach dazu. Es gibt nur wenige fantastische Demokratien.
Aber weswegen denn eigentlich?
In der Science-Fiction ist das etwas anderes. Hier wird recht häufig mit Staatsideen experimentiert.
Und obwohl seltsamerweise auch die feudale Monarchie dort ihren Platz hat, gehören republikanischere Gesellschaftsformen fest zu den Standards möglicher Hintergründe. Hier ist allerdings auch sehr eindeutig zu sehen, warum sich dergleichen nicht auf die Fantasy übertragen lässt.
George Lucas hat es getan.Eines der vielen (vielen, vielen) Probleme der neuen Trilogie ist der Hintergrund. Star Wars spielt in einer Galaxis, weit, weit weg, vor langer Zeit. Die Republik, mit ihren Steuerstreitigkeiten und Abstimmungskämpfen wirkt deplaziert in diesem Weltraummärchen.
Doch Demokratie - Volksherrschaft - war nicht immer so. Sie hat ihre eigene Geschichte und damit auch ihren eigenen Mythos. Diese Geschichten, so scheint es mir, ließen sich wunderbar in eine fantastische Welt hineinfügen.
Die Geschichte von einer Stadt, deren Volk zwar regiert wurde, lange, von guten und gerechten Herrschern. Deren letzter König jedoch unmäßig überheblich und tyranisch war, den sie verjagten und durch einen Rat der Ältesten ersetzten. Gewählt mit den Stimmen eines jeden waffenfähigen Mannes. Und nun kehr der Vertriebene zurück, führt Heere der Nachbarstädte an. Willens, sich mit Gewalt erneut an die Spitze dieser jungen Republik zu setzen ...
Oder die Geschichte eines Volkes von Bergbewohnern, geknechtet von einem Imperium, dass aus den reicheren Tälern zu ihnen emporgestiegen ist. Dass sie vertreiben, angeführt von einer legendären Heldengestalt. Und die, nach ihrem Sieg, nun schwören, niemals wieder solche Knechtschaft zu dulden, sondern einig sein wollen, ein Volk von Brüdern ....
Oder die Geschichte einer ehemals starken Nation, deren schwacher König dem arroganten Adel ungehindert die Zügel schießen lässt. Die, angestachelt von Hunger und Armut, und unter dem Eindruck neuer alter Ideen einen Moment besonderer politischer Schwäche ausnutzen. Den Monarchen festsetzen und eine Republik ausrufen. Unter dem Zeichen der Brüderlichkeit, der Gleichheit und der Freiheit, doch mit ungewissem Ziel ...
Hier scheint mir, so denke ich, auch der Grund für eine gewisse Zurückhaltung zu liegen, welche dem Genre in Bezug auf demokratisches Pathos innewohnt. Es macht uns nichts aus, Könige, Adlige und andere absolute Diktatoren als Helden zu sehen. Es ist romantisch. Und die hässlichen Seiten eines solchen Prinzips lassen sich ja - immerhin ist es Fantasy - einfach austilgen.
Aber wir werden noch immer misstrauisch, wenn wir von Revolutionen lesen, von Helden, welche "für das Volk" streiten, "für die Freiheit" oder "wider die Tyrannei".Gerade in Deutschland hat uns das 20. Jahrhundert gegen diese Art von Romantik immunisiert. Und das ist auch gut so. Wir sollten misstrausich sein gegen Ideale, welche allumfassende Lösungen versprechen. Wir sollten pragmatisch sein, ein wenig zynisch und vorsichtig. Aber wenn wir den Königen der eskapistischen Kunst ihr Monarchentum nachsehen können, wenn wir uns in diese Reiche flüchten können, warum dann nicht auch andersherum? Helden, die einmal nicht für göttergewollte Herrschaft streiten mögen, sondern wirklich für das Volk. Geschichten von siegreichen, sauberen Revolutionen, finsteren Tyrannen, aufrechten Republikanern und edlen Senatoren.
Pathos ist natürlich eine Frage der Dosierung. Gerade Heroismus sollte in vorsichtigen Dosen genossen werden. Doch ein wenig davon braucht jede Geschichte.
Man solle nun, so heisst es da, in dem aventurischen Monarchen nicht einen Alleinherscher sehen. Vielmehr eher so etwas wie einen König hinter den Bergen, in einem magischen Königreich. Durchaus mit der Möglichkeit, eine moralisch zweifelhafte Figur zu sein, doch keineswegs allein schon durch sein Königtum vorbelastet.
Es ist ein Gedanke, der, scheint mir, ebenso omnipräsent, in der Fantasy, wie falsch ist. Dass nämlich fantastischer Eskapismus untrennbar verbunden ist mit einem gewissen konservativen, autoritären Element. Könige, Adlige - das gehört einfach dazu. Es gibt nur wenige fantastische Demokratien.
Aber weswegen denn eigentlich?
In der Science-Fiction ist das etwas anderes. Hier wird recht häufig mit Staatsideen experimentiert.
Und obwohl seltsamerweise auch die feudale Monarchie dort ihren Platz hat, gehören republikanischere Gesellschaftsformen fest zu den Standards möglicher Hintergründe. Hier ist allerdings auch sehr eindeutig zu sehen, warum sich dergleichen nicht auf die Fantasy übertragen lässt.
George Lucas hat es getan.Eines der vielen (vielen, vielen) Probleme der neuen Trilogie ist der Hintergrund. Star Wars spielt in einer Galaxis, weit, weit weg, vor langer Zeit. Die Republik, mit ihren Steuerstreitigkeiten und Abstimmungskämpfen wirkt deplaziert in diesem Weltraummärchen.
Doch Demokratie - Volksherrschaft - war nicht immer so. Sie hat ihre eigene Geschichte und damit auch ihren eigenen Mythos. Diese Geschichten, so scheint es mir, ließen sich wunderbar in eine fantastische Welt hineinfügen.
Die Geschichte von einer Stadt, deren Volk zwar regiert wurde, lange, von guten und gerechten Herrschern. Deren letzter König jedoch unmäßig überheblich und tyranisch war, den sie verjagten und durch einen Rat der Ältesten ersetzten. Gewählt mit den Stimmen eines jeden waffenfähigen Mannes. Und nun kehr der Vertriebene zurück, führt Heere der Nachbarstädte an. Willens, sich mit Gewalt erneut an die Spitze dieser jungen Republik zu setzen ...
Oder die Geschichte eines Volkes von Bergbewohnern, geknechtet von einem Imperium, dass aus den reicheren Tälern zu ihnen emporgestiegen ist. Dass sie vertreiben, angeführt von einer legendären Heldengestalt. Und die, nach ihrem Sieg, nun schwören, niemals wieder solche Knechtschaft zu dulden, sondern einig sein wollen, ein Volk von Brüdern ....
Oder die Geschichte einer ehemals starken Nation, deren schwacher König dem arroganten Adel ungehindert die Zügel schießen lässt. Die, angestachelt von Hunger und Armut, und unter dem Eindruck neuer alter Ideen einen Moment besonderer politischer Schwäche ausnutzen. Den Monarchen festsetzen und eine Republik ausrufen. Unter dem Zeichen der Brüderlichkeit, der Gleichheit und der Freiheit, doch mit ungewissem Ziel ...
Hier scheint mir, so denke ich, auch der Grund für eine gewisse Zurückhaltung zu liegen, welche dem Genre in Bezug auf demokratisches Pathos innewohnt. Es macht uns nichts aus, Könige, Adlige und andere absolute Diktatoren als Helden zu sehen. Es ist romantisch. Und die hässlichen Seiten eines solchen Prinzips lassen sich ja - immerhin ist es Fantasy - einfach austilgen.
Aber wir werden noch immer misstrauisch, wenn wir von Revolutionen lesen, von Helden, welche "für das Volk" streiten, "für die Freiheit" oder "wider die Tyrannei".Gerade in Deutschland hat uns das 20. Jahrhundert gegen diese Art von Romantik immunisiert. Und das ist auch gut so. Wir sollten misstrausich sein gegen Ideale, welche allumfassende Lösungen versprechen. Wir sollten pragmatisch sein, ein wenig zynisch und vorsichtig. Aber wenn wir den Königen der eskapistischen Kunst ihr Monarchentum nachsehen können, wenn wir uns in diese Reiche flüchten können, warum dann nicht auch andersherum? Helden, die einmal nicht für göttergewollte Herrschaft streiten mögen, sondern wirklich für das Volk. Geschichten von siegreichen, sauberen Revolutionen, finsteren Tyrannen, aufrechten Republikanern und edlen Senatoren.
Pathos ist natürlich eine Frage der Dosierung. Gerade Heroismus sollte in vorsichtigen Dosen genossen werden. Doch ein wenig davon braucht jede Geschichte.
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