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Noch mehr seitenfüllende Ethik

Ich verschwende wirklich zu viel Zeit mit banalen, philosophischen Fragen, während es doch wichtige Computerspiele und RPGs zu beschreiben gilt. Aber es ist einfach so wenig Zeit.

Also gut. Der Gedanke des Tages: Massenethik.

Wenn man eine Handlung als ethisch bewertet, deren Konsequenzen nicht unmittelbar auf einen zurückfallen ... Schwierigkeiten. Ich rede von einer Kategorie an Entscheidungen, die wir in unserer bequemen ersten Welt, auf den Leichen anderer Welten errichtet, recht häufig finden.

Nehmen wir zum Beispiel Vegetarismus. Der Dialog sähe etwa so aus:

Ich will kein Fleisch essen, denn man muss Tiere töten und leiden lassen, um es zu erzeugen. Ich erkenne das Recht empfindungfähiger Wesen auf ein Fehlen von fremderzeugten negativen Empfindungen an.

Das tust du. Doch inwieweit steht denn deine Handlung in Zusammenhang mit dem von dir vorgegebenen Grund? Mindert dein Verzicht die Erzeugung von Fleisch und das Leid von Tieren in auch nur der geringsten Weise?

Dafür gibt es in der Tat keinen Beleg. Die aus der individuellen Sphäre gelöste Massenkultur erlaubt in den meisten Fällen keine unmittelbare und nachvollziehbare Verbindung mehr zwischen mir und vielen Dingen, mit denen ich in meinem Leben selbstverständlich umgehe. Aber es gibt zwei andere Aspekte. Zum einen bin ich in meiner Entscheidung Teil einer ebenfalls in Massen zu rechnenden Bewegung, deren kollektiver Verzicht in der Tat einen Einfluss hat auf den von mir angegebenen Grund. Zum anderen kann ich auch folgendermaßen argumentieren:
Selbst wenn meine Handlung keinen hemmenden Einfluss hat auf ein von mir als falsch bewertetes Phänomen, so nehme ich durch sie doch auch keinen Anteil daran. Ich will mich nicht gemein machen mit dem Verbrechen, wenn ich es schon nicht aufhalten kann.

... und an dieser Stelle fällt es dann auseinander. Mein Gedanke des Tages gleich, zuerst ein Einschub. Es scheint mir falsch, die Leistung einer Massenbewegung für sich in Anspruch zu nehmen, wenn man nicht dazu beigetragen hat, dass sie entsteht. Bloße Teilnahme bedeutet nichts. Man kann nur die Konsequenzen für sich beanspruchen, die dem eigenen Handeln entspringen.

Was mir schwerwiegender erscheint: Die Haltung eines Sich-Abwendenden ist nicht ethisch positiv. Sie ist vielleicht nicht einmal neutral. Wer einen Umstand als moralisch falsch ansieht, und sich dann nicht damit gemein macht - und nur das - der akzeptiert, dass die Schlechtigkeit anderen Leuten zustößt. Und gibt implizit zu, dass das nicht schlimm genug ist, um eine Handlung seinerseits zu rechtfertigen. Hier scheint mir der wahre Fehler einer jeden Boykottkultur zu liegen. Wenn ich nicht bereit bin, für meine Überzeugung mehr zu leisten als nur nichts, dann kann sie auch nicht viel wert sein. Halte ich das Töten von Tieren für falsch, so kann die einzig richtige Konsequenz nur sein, dieses Töten zu verhindern. Alles andere ist ein Zugeben, dass es so falsch dann nun auch nicht sein kann.

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