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Ein Post, gezwungenermaßen

So, nachdem ich immer noch an meinem ersten Mysterium-Post knabbere - das ist doch schwieriger, als ich dachte - hier ein philosophischer Appetithappen.
In meinem endlosen Kampf wider den freien Willen, ein weiterer Hieb. Zappele nur, alter Feind ...

Wenn wir von Freiheit sprechen, so müssen wir, wie bei jeder exakten Definition, auch von ihrem Gegenteil sprechen. Ein Konzept, dass nicht klar sagen kann, was es nicht ist, ist keines.
Also, was ist Unfreiheit - Zwang.
Wenn mein Wille frei ist, wann wäre er das also nicht? Was ist gezwungener Wille?

Wir meinen, es einfach erkennen zu können. Bewege ich deine Arme und Beine für dich, so zwinge ich dir eine Bewegung auf. Sie entspricht nicht deinen Befehlsimpulsen an deine Muskeln.
Gehen wir eine Ebene weiter: Halte ich dir ein Gewehr an den Kopf und befehle dir eine Handlung, so ist dies Zwang. Doch andererseits - auch hier besteht immer noch eine Wahl. Du kannst dich dafür entscheiden, erschossen zu werden. Also schränke ich dich nur in deinen Möglichkeiten ein ... ist das Zwang?
Aber in diesem Fall ist alles Zwang, denn schon deine schiere Existenz ist Einschränkung. Ich habe nicht die Wahlmöglichkeit, jetzt in Dubai auf die Toilette zu gehen - meine geologische Positionierung zwingt mir den germanischen Stuhlgang auf.

Nähern wir uns dem Konzept von einer anderen Seite.Wenn Zwang von außen nicht eindeutig feststellbar ist, dann vielleicht von innen?
Der Mann mit dem Gewehr am Kopf empfindet seine Entscheidung, nicht erschossen zu werden, als erzwungen. Also ist Zwang eine Empfindung, die unsere Erfahrung der Entscheidung begleitet? Aber Empfindungen als Definitiongrundlage haben ihre eigenen Probleme ...
Nehmen wir an, der Befehl des Gewehrbesitzers bezöge sich auf eine einfache Entscheidung. Vor unserem Opfer stünden zwei Gläser. Eines, gefüllt mit scheußlichem Apfelsaft, das andere mit köstlichem Wombatsaft.
(Ich bin verpflichtet, dieses Wort in jedem meiner Posts zumindest einmal unterzubringen. Ab wann? Naja ... heute.)
Unser Mann hat keinen Geschmack, und würde sich, unbedroht, für den Apfelsaft entscheiden. Seine Entscheidung für den Wombatsaft empfindet er als erzwungen.
Aber was wäre, würden wir kein Gewehr, sondern eine Maschine verwenden, welche den Geschmack ändert? Unabhängig davon, wie sie zu funktionieren hat, wissen wir doch, dass Menschen ihre Vorlieben verändern können, und das sich diese Veränderung auf irgendeine Weise in ihrer Physis niederschlagen wird. Ändern wir also die Physis, ändert sich auch der Geschmack.
Ist das Zwang? Weil wir es getan haben? Doch was wäre, wenn der Mann die Maschine selbst aktivieren würde. Ist die Manipulation seiner selbst ebenfalls Zwang? Der Handlungsablauf ist der Gleiche. Wegen der Empfindung?
Und wenn der Mann die Maschine auf einen späteren Zeitpunkt einstellt, sich es in der Zwischenzeit anders überlegt und nun den Vorgang der Veränderung als Zwang interpretiert? Kann man sich selbst zwingen? Doch die Entscheidung, die Maschine einzustellen, entsprang seiner Entscheidung? Ist der Mann von damals nicht mehr derselbe? Sind es nun zwei, ein Zwingender und ein Gezwungener?
Was ist Zwang?

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