Muss mich bei meinem Leser entschuldigen, für die Verzögerung. Der Plan "warte mit der Arbeit ab, bis es dir wirklich, wirklich passt" klappt selten, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Also die Venusier. Ich hoffe, es wird alles in einen Post passen. Es hat eine Menge Hintergrund, mehr als die Marsianer - der Planet ist einfach voller mit Zeug. Falls ich nicht fertig werde, wird eben wieder gesplittet. Was gibt es Wichtiges vorauszuschicken ... nun, wie später erwähnt, die Venusier bekommen mehr Fähigkeitspunkte am Anfang, müssen sie aber ausbalancierter verteilen. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das ein Vor - oder Nachteil ist. Muss wohl getestet werden. Eingeführt habe ich es in erster Linie, weil mir kein besserer Kontrast zum marsianischen Extremismus eingefallen ist.
Es fällt zweifellos leicht, das zu glauben. Planet und Bewohner strahlen Kraft aus, jugendlichen Überschwang und eine kaum zu fassende, doch immer präsente Unschuld. Spürt man auf dem Mars, in jeder Ruine und in jedem Ödlandwanderer die unsägliche Schwere der Jahrtausende, so erfährt man auf der Venus mit jedem Schritt den überwältigenden Optimismus einer Welt, die noch keine Narben zu tragen scheint.. Und ebenso wie auf ihrem Schwesterplaneten sind auch auf der Venus Land und Bewohner eng miteinander verknüpft.
Flora
Die Venus ist ein heißer und feuchter Planet. Der Himmel ist beinahe immer von einer gewaltigen Bewölkung verdeckt, doch das intensive Licht der so viel näheren Sonne durchdringt auch sie mühelos. Ja, ohne die ewigen Wolken wäre dieses Licht zweifelsohne schädlich - und so ist für einen Venusier unbedeckter Himmel ein angsteinflößender Anblick.
Unter der Wolkendecke verbinden sich geringere Schwerkraft, allgegenwärtige Feuchtigkeit und die unablässig wirkende Hitze der Sonne zu einer Landschaft, wie sie auch auf der lebensspendenden Erde nur an einigen wenigen Orten zu finden ist. Die Flora des Planeten überlebt nicht nur unter solchen Bedingungen - sie erblüht, gedeiht und strotzt nur so vor Kraft. Riesenwuchs fast aller Pflanzen ist hier die Norm - so sehr, dass es schon eher korrekt wäre, in den wenigen vorhandenen anderen Fällen von "Zwergenwuchs" zu sprechen. Baumriesen, welche ganze Gärten aus parasitären Pflanzen und Pilzen tragen, überschatten die feuchte Erde. Sie verbinden sich mit ihren Brüdern im Himmel, formen ein undurchdringliches Flechtwerk aus Geäst. Doch anders als auf der Erde reicht das hindurchdringende Sonnenlicht durchaus aus, um auch noch darunter blühende Blumenlandschaften gedeihen zu lassen. Der ewige Wald der Venus ist nicht nur ein Dschungel - es sind Schichten aus Wald, aufeinandergesetzt. Und nicht nur in bekannter Weise - auf der Venus hat es blaue Blattlandschaften ebenso wie rotgefärbte Dornenzweige. Auch gelbes Geäst und sogar lila und rosa Baumfärbung ist zu finden. Die Wälder der Venus strotzen nicht nur vor Kraft sondern auch vor Farben.
Landschaft
Das allgegenwärtige Wasser träufelt unaufhörlich. Aus der Wolkendecke fällt es in die obersten Geäste und strömt von dort, einem sekundären Regen gleich, durch alle Ebenen bis zum Boden. Dort formt es ein komplexes Gewirr aus Wurzelbächen, welche wiederum in die zahltreichen Flussläufe münden, die den Planeten wie ein Netz aus Adern durchziehen. Diese Art von Landschaft bedeckt sicherlich fast sechzig Prozent des Planeten. Nur gelegentlich wird der ewige Wald unterbrochen von einem der recht kleinen Binnenmeere der Venus - Ozeane gibt es keine. An den Polkappen wiederum ist das Klima kühler- hier und dort bildet sich sogar Eis. Und in den Mündungsgebieten, wo der Boden den Wald nicht mehr tragen kann, dominieren ausgedehnte Sumpflandschaften. Doch der endlose Dschungel ist zweifelsohne die primäre Daseinsform dieser Welt. Er formt den Körper und den Geist seiner Bewohner.
Fauna
Was die unbeseelte Fauna angeht, so ist auch hier ein Hang zur Gigantomanie auszumachen. Der Sauerstoffgehalt der Venusluft ist groß, hinzu kommt die geringere Schwerkraft und das reichhaltige Angebot an Futter. So wundert es kaum, wenn einem in den endlosen Wäldern meterlange Insekten entgegenschweben, baumhohe Echsenkreaturen vorbeistampfen oder wilde, menschenfressende Katzenwesen sich vom Geäst werfen. Denn die Venus ist ein wilder, gefährlicher Ort und ihre Fauna ist ungezähmt. Hier gibt es keine unterworfenen Wiesenlandschaften, welche dem Menschen nicht mehr Gefahr bieten als ein verregneter Picknicktag. Außerhalb der befestigten Siedlungen ist das Leben abenteuerlich, gefahrvoll - und kurz. Wie unter solchen Umständen eine Zivilisation nicht nur entstehen, sondern sogar gedeihen konnte, mag demjenigen ein Rätsel erscheinen, welcher die Venusier noch nicht kennengelernt hat ...
Weitergehend ist der gewöhnliche Venusier durchaus kraftvoller und gewandter als ein Erdenmensch. Die grimmige Umwelt lässt keine Fehler zu, auch können sich nur wenige Angehörige dieses Volkes den Luxus erlauben, eine ihrer Fähigkeiten ungebraucht zu lassen. Auch hochadlige Venusier kommen nicht umhin, durch die Wälder zu reisen und mit den Bestien zu ringen und auch gewöhnliche Bauern - denn auch solche hat es hier - müssen sich in den komplexen Netzen der venusischen Gesellschaft beweisen.
Die Gesellschaft der Venusier ist die Gesellschaft der Venusierinnen. Denn auf drei Säulen ruht diese Zivilisation: Das Matriarchat, das Feudalsystem und die Aristokratie.
Gesellschaft: Matriarchat
Auf der Venus herrschen die Frauen. Diese für einen irdischen Gentleman so fragwürdige Gesellschaftsordnung mag zunächst auch widersinnig anmuten - ist es doch eine wilde, urzeitliche Welt, welche zweifelsohne nach männlicher Entschlossenheit verlangt. Doch sehen die Venusier darin keinen Widerspruch - und weisen auch ihren Frauen eher diese Tugend zu.
Man sollte dabei nun nicht den Fehler zu glauben, hier sei die übliche Ordnung in ihr Gegenteil verdreht. Auch auf der Venus tragen die Frauen die Kinder aus, sind im Durchschnitt etwas weniger kraftvoll als ihre Männer und haben ein sozialeres Wesen. Zwar sind die Venusfrauen von Gebaren und Naturanlagen her weitaus maskuliner und wilder als unsere eigenen, zartfühlenden Geschöpfe. Doch ist auch hier der Geschlechtsunterschied durchaus zu erkennen - nur dass die Venusier ihn eben anders interpretieren. Wo die Erdenmenschen ihre Geschlechter in "stark" und "schön" teilen, kennen die Venusier das "herrliche" und das "machtvolle" Geschlecht.
Die Männer
Das herrliche Geschlecht ist das der Männer. Unzweifelhaft gesteht man ihnen die gröbere, stärkere Physis zu und auch einen stärkeren Drang zur Wildheit, zur ehrgeizigen Herausforderung der Welt. Dies alles verstehen die Venusier jedoch als ein eher kindliches, unreifes Gebaren. Venusmänner, so sehen sie es, sind ein schönes, starkes und eben herrlich anzuschauendes Geschlecht, doch letztendlich unreif und ungestüm. Einem Mann steht es gut an, sich in allen Künsten des Körpers und des Geistes zu üben, er ist - idealerweise - wilder Krieger, geschickter Jäger, unermüdlicher Arbeiter, aber auch zartfühlender Poet und kluger Philosoph. (Es versteht sich von selbst, das jenes Ideal von den unteren Klassen eher bewundert als nachgeahmt wird. Auch auf der Venus ist ein Bauer zunächst Bauer.)
Doch ist all diese Fähigkeit nicht eigentlich um ihrer selbst, sondern aus einer jungenhaften Eitelkeit heraus entwickelt. Ein venusischer Mann gilt als ein wenig selbstverliebt, kurzsichtig und flatterhaft. Sein Gebaren ist immer mit einem halben Auge auf der wählenden und wertenden Weiblichkeit zu verstehen, um deretwillen er sich so sehr bemüht. Die männlichen Tugenden eines Venusiers sind auch die Tugenden eines guten Sohnes, und eine jede Venusierin hat auch etwas Mütterliches an sich.
Die Frauen
Denn das weibliche Geschlecht ist auf der Venus das machtvolle Geschlecht. Dieses Prädikat ist sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch zu verstehen. Wo die Männer durchaus ungestüm und eben auch kurzsichtig sein dürfen, ist es an den Frauen, Macht ganz real auszuüben, aber eben auch sich selbst und die Welt um sie herum im Zaum zu halten. Die venusische Frau gilt als slebstbeherrscht, aber auch entschlossen, welche mit lenkender, kluger Hand die Kraft der Männer in die richtigen Bahnen zu lenken weiß. Wo das Ideal des Mannes der universell gelehrte Kriegerpoet ist, da ist das der Frau die weise, doch auch starke Matriarchin, die allein durch ihr Ansehen und ihre Würde zu herrschen versteht. (Auch hier versteht sich von selbst, dass nur die wenigsten Frauen diesem Ideal, im Großen wie im Kleinen entsprechen. Doch auch die allergeringste Sumpfbewohnerin wird gegenüber ihrem Mann und ihren Söhnen immer etwas von dieser idealen Matriarchin innehaben.)
Dies resultiert nun auch in einem komplexen, doch recht klar strukturierten Herrschaftsnetzwerk der Frauen. Matriarchinnen gewinnen Macht durch die Anzahl ihrer Töchter und durch die Stärke ihrer Familien. Frauen unterwerfen sich nur stärkeren Frauen, und zuerst immer der eigenen Mutter, der Familienherrscherin. Sie nehmen sich ihre Männer als Diener, als Gehilfen und auch als ausgewählte Zuchtväter. Polyandrie ist nichts Ungewöhnliches, doch hängt dies natürlich auch von dem verfügbaren Nachschub ab. In der Tat ist es wohl nicht falsch zu sagen, dass die Familie, im Kleinen wie im Großen, die grundlegende Form der Zivilisation auf dem Planeten darstellt.
Gesellschaft: Feudalsystem
Eine Frau ist Herrscherin ihrer Familie, und manchmal mehr als nur das. Zwar sind die Sippenstrukturen auf der Venus oftmals riesig im Vergleich zur Erde, und eine glückliche, mit vielen Töchtern gesegnete Matriarchin kann überein gewaltiges Heer an Angehörigen gebieten. Aber auch die Venus ist groß, und eine Familie kann nie mehr als nur einen Bruchteil des Landes ausfüllen. Ganz zu schweigen davon, dass trotz der eher mittelalterlich zu nennenden Technologie auch etliche Dutzend Venusier und Venusierinnen niemals allein alle Arbeiten ausführen könnten,. um auf einem lebenswerten Niveau autark zu sein.
So hat die die Feudalstruktur, die "Familie der Familien" als dominante Lebensform über das Alltägliche hinaus entwickelt. Das Prinzip ist einfach: Weniger mächtige und zahlreiche Familien binden sich an größere und stärkere Sippen an. Die entsprechende Matriarchin leistet ihrem Pendant einen Gefolgschaftseid, der natürlich für ihre ganze Familie gilt. Im Gegenzug wird sie beschützt und erfährt die Stärke eines einzigen, riesigen Clans. Auf dem Lande herrschen so mächtige, alte Sippen über riesige Güter, während in den venusischen (ummauerten) Städten so oft die Gewerbe verteilt sind. Das Feudalsystem ist ehrwürdige Tradition, zwar durchaus flexibel, doch auch fest in seinen Grundmauern. Gerade dem Bauernvolk, die in den sumpfigen Landschaften unter den Wurzeln und an den Flussufern für die Hauptlast der Nahrungsproduktion sorgen, wäre es höchst befremdlich, die Gefolgschaft zu der angestammten Herrscherfamilie aufzukündigen. Höhere Ränge denken da oftmals schon politischer.
Denn obgleich das Feudalsystem eigentlich keine Unterschiede zwischen den Familien kennt, nur Gefolgschaften, so hat sich doch im Laufe der Zeit unleugbar eine hierarchische Ordnung hineinentwickelt, welche das letzte Konzept der venusischen Gesellschaft darstellt.
Gesellschaft: Aristokratie
Durch die Massierung (ja, das ist ein echtes Wort) von Einfluss und Macht in bestimmten Familien und die starrer werdenden Abhängigkeitsverhältnisse der feudalen Ordnung hat sich eine gehobene Schicht gebildet, welche die Geschicke des Planeten in ihren Händen hält. Venusische Adlige haben keine eigentlichen Titel, und sie herrschen auch nicht aufgrund einer monarchisch verliehenen Gewalt. Vielmehr entspringt ihr Rang und ihr Einfluss dem Ansehen und der Macht ihres Familiennamens, welcher durchaus das Gewicht eines Adelstitels haben kann. Ehrwürdige und alte Familien mit viel Gefolge beherrschen in ihrer Domäne unangefochten das gesamte Land. Sie erstellen Gesetze, sprechen Recht (oder lassen sprechen) und ordnen das Land ganz so, wie ein irdischer Staat. Über diesen "ersten Familien" steht dann niemand mehr, nicht einmal die venusischen Götter - die ohnehin weniger Interesse in venusischen Angelegenheiten haben als ihre irdischen Gegenparts. Doch auch sie können ihre Aufgaben unmöglich alleine erfüllen, und so vergeben sie oftmals Herrschaftsrechte an besonders loyale Gefolgeleute. Diese "echten Aristokraten" sind nicht mit Land belehnt, wie es im irdischen Mittelalter gehandelt wurde. Vielmehr wurden ihnen traditionelle Herrschaftsrechte überlassen, welche sie im Namen ihrer Patronatsfamilien ausüben, und die oftmals sehr weit reichen. Auch hat der Name über die Grenzen der Domänen hinaus ein starkes Gewicht. Ein reisender Bauer mag Unwillen oder Begehrlichkeiten durch den Herrscher des Landes auf sich ziehen, doch eine reisenden Aristokratin schützt der Name ihres Patrons, und auch der eigene. Diese besondere, informelle Kaste von Rechtsinhabern ist dass Schmiermittel und das verbindende Glied der venusischen Gesellschaft. Sie stellen das Gros der nicht manuell arbeitenden Bevölkerung, sie verschieben Waren, halten Gericht und sind auch meistens die Hauptmasse der Kämpfer und Kämpferinnen ihrer ehrwürdigsten Matriarchin. Und so ist die Adlige vor Ort für einen jeden irdischen Besucher die erste und wichtigste Ansprechpartnerin. Auch ist es die einzige Möglichkeit, jenes verwirrende Netz von Abhängigkeiten zu ordnen. Es gibt auf der Venus keine Staaten und Nationen- doch es gibt die Macht der Familien und ihre Domänen.
Und ich habe es gesplittet. Das sollte erstmal reichen ... eigentlich könnte ich noch viel mehr schreiben. Geschichte und Kultur und Religion und ... na, dafür sind dann wohl die nachfolgenden Posts da. Ist auch einfacher, eine fremde Welt neu zu erfinden als die irdische Historie umzuschreiben, Hier muss ich wenigstens nicht genau sein. Nun, das nächste Mal dann die venusischen Klassen und der Ehrenkodex der Adligen. Ich werde dann auch wohl noch die Details nachtragen, die ich hier natürlich vergessen habe.
Also die Venusier. Ich hoffe, es wird alles in einen Post passen. Es hat eine Menge Hintergrund, mehr als die Marsianer - der Planet ist einfach voller mit Zeug. Falls ich nicht fertig werde, wird eben wieder gesplittet. Was gibt es Wichtiges vorauszuschicken ... nun, wie später erwähnt, die Venusier bekommen mehr Fähigkeitspunkte am Anfang, müssen sie aber ausbalancierter verteilen. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das ein Vor - oder Nachteil ist. Muss wohl getestet werden. Eingeführt habe ich es in erster Linie, weil mir kein besserer Kontrast zum marsianischen Extremismus eingefallen ist.
Die Venusier
Man sagt, die Venus wäre die Vergangenheit der Erde.Es fällt zweifellos leicht, das zu glauben. Planet und Bewohner strahlen Kraft aus, jugendlichen Überschwang und eine kaum zu fassende, doch immer präsente Unschuld. Spürt man auf dem Mars, in jeder Ruine und in jedem Ödlandwanderer die unsägliche Schwere der Jahrtausende, so erfährt man auf der Venus mit jedem Schritt den überwältigenden Optimismus einer Welt, die noch keine Narben zu tragen scheint.. Und ebenso wie auf ihrem Schwesterplaneten sind auch auf der Venus Land und Bewohner eng miteinander verknüpft.
Die Ökologie
Flora
Die Venus ist ein heißer und feuchter Planet. Der Himmel ist beinahe immer von einer gewaltigen Bewölkung verdeckt, doch das intensive Licht der so viel näheren Sonne durchdringt auch sie mühelos. Ja, ohne die ewigen Wolken wäre dieses Licht zweifelsohne schädlich - und so ist für einen Venusier unbedeckter Himmel ein angsteinflößender Anblick.
Unter der Wolkendecke verbinden sich geringere Schwerkraft, allgegenwärtige Feuchtigkeit und die unablässig wirkende Hitze der Sonne zu einer Landschaft, wie sie auch auf der lebensspendenden Erde nur an einigen wenigen Orten zu finden ist. Die Flora des Planeten überlebt nicht nur unter solchen Bedingungen - sie erblüht, gedeiht und strotzt nur so vor Kraft. Riesenwuchs fast aller Pflanzen ist hier die Norm - so sehr, dass es schon eher korrekt wäre, in den wenigen vorhandenen anderen Fällen von "Zwergenwuchs" zu sprechen. Baumriesen, welche ganze Gärten aus parasitären Pflanzen und Pilzen tragen, überschatten die feuchte Erde. Sie verbinden sich mit ihren Brüdern im Himmel, formen ein undurchdringliches Flechtwerk aus Geäst. Doch anders als auf der Erde reicht das hindurchdringende Sonnenlicht durchaus aus, um auch noch darunter blühende Blumenlandschaften gedeihen zu lassen. Der ewige Wald der Venus ist nicht nur ein Dschungel - es sind Schichten aus Wald, aufeinandergesetzt. Und nicht nur in bekannter Weise - auf der Venus hat es blaue Blattlandschaften ebenso wie rotgefärbte Dornenzweige. Auch gelbes Geäst und sogar lila und rosa Baumfärbung ist zu finden. Die Wälder der Venus strotzen nicht nur vor Kraft sondern auch vor Farben.
Landschaft
Das allgegenwärtige Wasser träufelt unaufhörlich. Aus der Wolkendecke fällt es in die obersten Geäste und strömt von dort, einem sekundären Regen gleich, durch alle Ebenen bis zum Boden. Dort formt es ein komplexes Gewirr aus Wurzelbächen, welche wiederum in die zahltreichen Flussläufe münden, die den Planeten wie ein Netz aus Adern durchziehen. Diese Art von Landschaft bedeckt sicherlich fast sechzig Prozent des Planeten. Nur gelegentlich wird der ewige Wald unterbrochen von einem der recht kleinen Binnenmeere der Venus - Ozeane gibt es keine. An den Polkappen wiederum ist das Klima kühler- hier und dort bildet sich sogar Eis. Und in den Mündungsgebieten, wo der Boden den Wald nicht mehr tragen kann, dominieren ausgedehnte Sumpflandschaften. Doch der endlose Dschungel ist zweifelsohne die primäre Daseinsform dieser Welt. Er formt den Körper und den Geist seiner Bewohner.
Fauna
Was die unbeseelte Fauna angeht, so ist auch hier ein Hang zur Gigantomanie auszumachen. Der Sauerstoffgehalt der Venusluft ist groß, hinzu kommt die geringere Schwerkraft und das reichhaltige Angebot an Futter. So wundert es kaum, wenn einem in den endlosen Wäldern meterlange Insekten entgegenschweben, baumhohe Echsenkreaturen vorbeistampfen oder wilde, menschenfressende Katzenwesen sich vom Geäst werfen. Denn die Venus ist ein wilder, gefährlicher Ort und ihre Fauna ist ungezähmt. Hier gibt es keine unterworfenen Wiesenlandschaften, welche dem Menschen nicht mehr Gefahr bieten als ein verregneter Picknicktag. Außerhalb der befestigten Siedlungen ist das Leben abenteuerlich, gefahrvoll - und kurz. Wie unter solchen Umständen eine Zivilisation nicht nur entstehen, sondern sogar gedeihen konnte, mag demjenigen ein Rätsel erscheinen, welcher die Venusier noch nicht kennengelernt hat ...
Die Venusier
Aussehen
Von der Physis mögen sie durchaus Zwillinge der Erdenmenschen sein, doch ermangelt es auch dem flüchtigen Betrachter nicht an Unterscheidungen. Sie sind im Durchschnitt dem Menschen an Größe überlegen - auch dies ein Resultat der bekannten Gigantomanie des doch so kleinen Planeten. Allerdings geht der Unterschied hier nur noch in die Zentimeter und ist auch nur statistisch zu verstehen. Auffälliger ist da schon die Färbung. Wie die Flora und die Fauna sind auch die vernunftbegabten Bewohner der Venus von einer unübersehbaren Farbenpracht. Es hat grüne Venusier, blaue Venusier, rote Venusier ...
Oftmals ist sogar das Haar in komplementärer Färbung gehalten, glitzern die Augen wie unmöglich gestaltete Edelsteine und funkeln selbst noch die Nägel wieder die Vernunft der Tarnung. Doch ist dies hier, auf der Venus, natürlich in das Gegenteil verkehrt. Die bunt blitzenden Landschaften weisen dem Paradiesvogel die unauffälligste Gestaltung zu, und die Krähe ist es, welche sich auffällig macht.Weitergehend ist der gewöhnliche Venusier durchaus kraftvoller und gewandter als ein Erdenmensch. Die grimmige Umwelt lässt keine Fehler zu, auch können sich nur wenige Angehörige dieses Volkes den Luxus erlauben, eine ihrer Fähigkeiten ungebraucht zu lassen. Auch hochadlige Venusier kommen nicht umhin, durch die Wälder zu reisen und mit den Bestien zu ringen und auch gewöhnliche Bauern - denn auch solche hat es hier - müssen sich in den komplexen Netzen der venusischen Gesellschaft beweisen.
Die Gesellschaft der Venusier ist die Gesellschaft der Venusierinnen. Denn auf drei Säulen ruht diese Zivilisation: Das Matriarchat, das Feudalsystem und die Aristokratie.
Gesellschaft: Matriarchat
Auf der Venus herrschen die Frauen. Diese für einen irdischen Gentleman so fragwürdige Gesellschaftsordnung mag zunächst auch widersinnig anmuten - ist es doch eine wilde, urzeitliche Welt, welche zweifelsohne nach männlicher Entschlossenheit verlangt. Doch sehen die Venusier darin keinen Widerspruch - und weisen auch ihren Frauen eher diese Tugend zu.
Man sollte dabei nun nicht den Fehler zu glauben, hier sei die übliche Ordnung in ihr Gegenteil verdreht. Auch auf der Venus tragen die Frauen die Kinder aus, sind im Durchschnitt etwas weniger kraftvoll als ihre Männer und haben ein sozialeres Wesen. Zwar sind die Venusfrauen von Gebaren und Naturanlagen her weitaus maskuliner und wilder als unsere eigenen, zartfühlenden Geschöpfe. Doch ist auch hier der Geschlechtsunterschied durchaus zu erkennen - nur dass die Venusier ihn eben anders interpretieren. Wo die Erdenmenschen ihre Geschlechter in "stark" und "schön" teilen, kennen die Venusier das "herrliche" und das "machtvolle" Geschlecht.
Die Männer
Das herrliche Geschlecht ist das der Männer. Unzweifelhaft gesteht man ihnen die gröbere, stärkere Physis zu und auch einen stärkeren Drang zur Wildheit, zur ehrgeizigen Herausforderung der Welt. Dies alles verstehen die Venusier jedoch als ein eher kindliches, unreifes Gebaren. Venusmänner, so sehen sie es, sind ein schönes, starkes und eben herrlich anzuschauendes Geschlecht, doch letztendlich unreif und ungestüm. Einem Mann steht es gut an, sich in allen Künsten des Körpers und des Geistes zu üben, er ist - idealerweise - wilder Krieger, geschickter Jäger, unermüdlicher Arbeiter, aber auch zartfühlender Poet und kluger Philosoph. (Es versteht sich von selbst, das jenes Ideal von den unteren Klassen eher bewundert als nachgeahmt wird. Auch auf der Venus ist ein Bauer zunächst Bauer.)
Doch ist all diese Fähigkeit nicht eigentlich um ihrer selbst, sondern aus einer jungenhaften Eitelkeit heraus entwickelt. Ein venusischer Mann gilt als ein wenig selbstverliebt, kurzsichtig und flatterhaft. Sein Gebaren ist immer mit einem halben Auge auf der wählenden und wertenden Weiblichkeit zu verstehen, um deretwillen er sich so sehr bemüht. Die männlichen Tugenden eines Venusiers sind auch die Tugenden eines guten Sohnes, und eine jede Venusierin hat auch etwas Mütterliches an sich.
Die Frauen
Denn das weibliche Geschlecht ist auf der Venus das machtvolle Geschlecht. Dieses Prädikat ist sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch zu verstehen. Wo die Männer durchaus ungestüm und eben auch kurzsichtig sein dürfen, ist es an den Frauen, Macht ganz real auszuüben, aber eben auch sich selbst und die Welt um sie herum im Zaum zu halten. Die venusische Frau gilt als slebstbeherrscht, aber auch entschlossen, welche mit lenkender, kluger Hand die Kraft der Männer in die richtigen Bahnen zu lenken weiß. Wo das Ideal des Mannes der universell gelehrte Kriegerpoet ist, da ist das der Frau die weise, doch auch starke Matriarchin, die allein durch ihr Ansehen und ihre Würde zu herrschen versteht. (Auch hier versteht sich von selbst, dass nur die wenigsten Frauen diesem Ideal, im Großen wie im Kleinen entsprechen. Doch auch die allergeringste Sumpfbewohnerin wird gegenüber ihrem Mann und ihren Söhnen immer etwas von dieser idealen Matriarchin innehaben.)
Dies resultiert nun auch in einem komplexen, doch recht klar strukturierten Herrschaftsnetzwerk der Frauen. Matriarchinnen gewinnen Macht durch die Anzahl ihrer Töchter und durch die Stärke ihrer Familien. Frauen unterwerfen sich nur stärkeren Frauen, und zuerst immer der eigenen Mutter, der Familienherrscherin. Sie nehmen sich ihre Männer als Diener, als Gehilfen und auch als ausgewählte Zuchtväter. Polyandrie ist nichts Ungewöhnliches, doch hängt dies natürlich auch von dem verfügbaren Nachschub ab. In der Tat ist es wohl nicht falsch zu sagen, dass die Familie, im Kleinen wie im Großen, die grundlegende Form der Zivilisation auf dem Planeten darstellt.
Gesellschaft: Feudalsystem
Eine Frau ist Herrscherin ihrer Familie, und manchmal mehr als nur das. Zwar sind die Sippenstrukturen auf der Venus oftmals riesig im Vergleich zur Erde, und eine glückliche, mit vielen Töchtern gesegnete Matriarchin kann überein gewaltiges Heer an Angehörigen gebieten. Aber auch die Venus ist groß, und eine Familie kann nie mehr als nur einen Bruchteil des Landes ausfüllen. Ganz zu schweigen davon, dass trotz der eher mittelalterlich zu nennenden Technologie auch etliche Dutzend Venusier und Venusierinnen niemals allein alle Arbeiten ausführen könnten,. um auf einem lebenswerten Niveau autark zu sein.
So hat die die Feudalstruktur, die "Familie der Familien" als dominante Lebensform über das Alltägliche hinaus entwickelt. Das Prinzip ist einfach: Weniger mächtige und zahlreiche Familien binden sich an größere und stärkere Sippen an. Die entsprechende Matriarchin leistet ihrem Pendant einen Gefolgschaftseid, der natürlich für ihre ganze Familie gilt. Im Gegenzug wird sie beschützt und erfährt die Stärke eines einzigen, riesigen Clans. Auf dem Lande herrschen so mächtige, alte Sippen über riesige Güter, während in den venusischen (ummauerten) Städten so oft die Gewerbe verteilt sind. Das Feudalsystem ist ehrwürdige Tradition, zwar durchaus flexibel, doch auch fest in seinen Grundmauern. Gerade dem Bauernvolk, die in den sumpfigen Landschaften unter den Wurzeln und an den Flussufern für die Hauptlast der Nahrungsproduktion sorgen, wäre es höchst befremdlich, die Gefolgschaft zu der angestammten Herrscherfamilie aufzukündigen. Höhere Ränge denken da oftmals schon politischer.
Denn obgleich das Feudalsystem eigentlich keine Unterschiede zwischen den Familien kennt, nur Gefolgschaften, so hat sich doch im Laufe der Zeit unleugbar eine hierarchische Ordnung hineinentwickelt, welche das letzte Konzept der venusischen Gesellschaft darstellt.
Gesellschaft: Aristokratie
Durch die Massierung (ja, das ist ein echtes Wort) von Einfluss und Macht in bestimmten Familien und die starrer werdenden Abhängigkeitsverhältnisse der feudalen Ordnung hat sich eine gehobene Schicht gebildet, welche die Geschicke des Planeten in ihren Händen hält. Venusische Adlige haben keine eigentlichen Titel, und sie herrschen auch nicht aufgrund einer monarchisch verliehenen Gewalt. Vielmehr entspringt ihr Rang und ihr Einfluss dem Ansehen und der Macht ihres Familiennamens, welcher durchaus das Gewicht eines Adelstitels haben kann. Ehrwürdige und alte Familien mit viel Gefolge beherrschen in ihrer Domäne unangefochten das gesamte Land. Sie erstellen Gesetze, sprechen Recht (oder lassen sprechen) und ordnen das Land ganz so, wie ein irdischer Staat. Über diesen "ersten Familien" steht dann niemand mehr, nicht einmal die venusischen Götter - die ohnehin weniger Interesse in venusischen Angelegenheiten haben als ihre irdischen Gegenparts. Doch auch sie können ihre Aufgaben unmöglich alleine erfüllen, und so vergeben sie oftmals Herrschaftsrechte an besonders loyale Gefolgeleute. Diese "echten Aristokraten" sind nicht mit Land belehnt, wie es im irdischen Mittelalter gehandelt wurde. Vielmehr wurden ihnen traditionelle Herrschaftsrechte überlassen, welche sie im Namen ihrer Patronatsfamilien ausüben, und die oftmals sehr weit reichen. Auch hat der Name über die Grenzen der Domänen hinaus ein starkes Gewicht. Ein reisender Bauer mag Unwillen oder Begehrlichkeiten durch den Herrscher des Landes auf sich ziehen, doch eine reisenden Aristokratin schützt der Name ihres Patrons, und auch der eigene. Diese besondere, informelle Kaste von Rechtsinhabern ist dass Schmiermittel und das verbindende Glied der venusischen Gesellschaft. Sie stellen das Gros der nicht manuell arbeitenden Bevölkerung, sie verschieben Waren, halten Gericht und sind auch meistens die Hauptmasse der Kämpfer und Kämpferinnen ihrer ehrwürdigsten Matriarchin. Und so ist die Adlige vor Ort für einen jeden irdischen Besucher die erste und wichtigste Ansprechpartnerin. Auch ist es die einzige Möglichkeit, jenes verwirrende Netz von Abhängigkeiten zu ordnen. Es gibt auf der Venus keine Staaten und Nationen- doch es gibt die Macht der Familien und ihre Domänen.
Und ich habe es gesplittet. Das sollte erstmal reichen ... eigentlich könnte ich noch viel mehr schreiben. Geschichte und Kultur und Religion und ... na, dafür sind dann wohl die nachfolgenden Posts da. Ist auch einfacher, eine fremde Welt neu zu erfinden als die irdische Historie umzuschreiben, Hier muss ich wenigstens nicht genau sein. Nun, das nächste Mal dann die venusischen Klassen und der Ehrenkodex der Adligen. Ich werde dann auch wohl noch die Details nachtragen, die ich hier natürlich vergessen habe.
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