Game of Thrones hat einige Änderungen gegenüber der Buchvorlage vorgenommen, manche drastischer, manche subtiler. Was die Qualität angeht - ich glaube, mich hat keine so sehr aufgeregt wie der eher subtile Einschnitt in die Beziehung von Khal Drogo und Daenerys.
Khal Drogo, der brachialgewaltige, fantastischmongolische Kriegsherr erkauft sich die sehr sehr mädchenhafte, zarte Daenerys, nach den recht komplexen ethischen Ma´stäben seiner Kultur. und dann, in der Hochzeitsnacht ... ja nun. In der Serie vergewaltigt er sie. Es ist zweifellos ein auch moralisch recht vielschichtiger Akt - er ist sich keines Unrechts bewusst, sie glaubt, es hinnehmen zu müssen und dergleichen mehr. Aber doch auf jeden Fall ein deutlicher - und unnötiger - Verlust gegenüber dem Buch, das hier, wie ich meine, eines seiner Meisterstücke abliefert.
Es ist beinahe die selbe Szene, doch der furchterregende Barbarenkönig schreckt hier vor den Tränen der Prinzessin zurück, er nimmt sich Zeit, er verführt sie beinahe. Es ist natürlich immer noch kein hübscher, einvernehmlicher Akt, aber doch ein himmelweiter Unterschied gegenüber der scheußlichen Szene in der Serie.
Und ich denke, es ist ein hervorragendes Beispiel für Problematik und Lösung des Zusammenhangs von Phantastik, Protagonist und Moral.
Wenn wir Geschichten über andere Orte und andere Zeiten erschaffen wollen, so stehen wir immer vor dem Problem, wie authentisch - und dieser Begriff macht auch durchaus für die Fantasy Sinn - und auch kohärent wir sein wollen. Eine mittelalterliche Szenerie hat viele Begleiterscheinungen. Seuchen, Unterdrückung, absonderliche Moralvorstellungen, entsetzliche Entgleisungen aus der Perspektive des modernen Menschen. Sie zu begradigen bedeutet automatisch eine gewisse Unglaubwürdigkeit, sogfern dergleichen nicht eine zufriedenstellende Erklärung findet.
Sie aber zu belassen führt zu Protagonisten, die für den Eskapierenden, den Leser und Zuschauer auf einer gewissen Ebene immer fremdartig und sogar abstoßend sein müssen.
Der Khal hatte nach den eigenen - und auch nach Daenerys' - Maßstäben jedes, auch das moralische Recht, sie zu vergewaltigen. Doch mit solchen Handlungen macht man sich keine Freunde unter den Konsumenten.
Die Szene im Buch ist, denke ich, eine hervorragende Lösung. Der Protagonist zeigt innerhalb der Grenzen, die ihm sein Kosmos gewährt, Menschlichkeit. Er ist barbarisch - aber nicht bösartig. Man kann mit ihm empfinden - er ist an gewisse Normen gewöhnt, aber er ist kein schlechter Mensch, der absichtlich Schaden zufügen will. Wenn er das tut - und man darf nicht vergessen, wer er eigentlich ist, der Anführer einer manchmal barbarischen, plündernden Horde - dann immer ohne Schuldbewusstsein. Unmittelbar konfrontiert mit Leid schreckt er zurück.
Es ist auch deswegen eine so schöne Szene, weil die beiden später zu einer Übereinkunft gelangen, welche innerhalb des vorgegebenen Rahmens funktioniert. Daenerys duldet eine gewisse Menge an unerwünschtem und nicht besonders angenehm empfundenen Sex und Khal Drogo hält sich zurück, soweit es seine Rolle als Anführer eben erlaubt.
Ich kann durchaus verstehen, dass die Serie diese herrliche Dynamik verändern wollte, zugunsten eines Wachstumsprozesses, in dem die beiden miteinander gebundenen Protagonisten langsam lernen, Glück in dieser Beziehung zu finden. Aber ich kann mir nicht helfen - das Ganze sieht dann doch eher wie ein Zivilisierungsprozess, ausgeführt durch die reine junge Heldin am barbarischen Wilden aus.
Khal Drogo, der Bücherne musste von Daenerys nicht zivilisiert werden. Er war es schon.
Khal Drogo, der brachialgewaltige, fantastischmongolische Kriegsherr erkauft sich die sehr sehr mädchenhafte, zarte Daenerys, nach den recht komplexen ethischen Ma´stäben seiner Kultur. und dann, in der Hochzeitsnacht ... ja nun. In der Serie vergewaltigt er sie. Es ist zweifellos ein auch moralisch recht vielschichtiger Akt - er ist sich keines Unrechts bewusst, sie glaubt, es hinnehmen zu müssen und dergleichen mehr. Aber doch auf jeden Fall ein deutlicher - und unnötiger - Verlust gegenüber dem Buch, das hier, wie ich meine, eines seiner Meisterstücke abliefert.
Es ist beinahe die selbe Szene, doch der furchterregende Barbarenkönig schreckt hier vor den Tränen der Prinzessin zurück, er nimmt sich Zeit, er verführt sie beinahe. Es ist natürlich immer noch kein hübscher, einvernehmlicher Akt, aber doch ein himmelweiter Unterschied gegenüber der scheußlichen Szene in der Serie.
Und ich denke, es ist ein hervorragendes Beispiel für Problematik und Lösung des Zusammenhangs von Phantastik, Protagonist und Moral.
Wenn wir Geschichten über andere Orte und andere Zeiten erschaffen wollen, so stehen wir immer vor dem Problem, wie authentisch - und dieser Begriff macht auch durchaus für die Fantasy Sinn - und auch kohärent wir sein wollen. Eine mittelalterliche Szenerie hat viele Begleiterscheinungen. Seuchen, Unterdrückung, absonderliche Moralvorstellungen, entsetzliche Entgleisungen aus der Perspektive des modernen Menschen. Sie zu begradigen bedeutet automatisch eine gewisse Unglaubwürdigkeit, sogfern dergleichen nicht eine zufriedenstellende Erklärung findet.
Sie aber zu belassen führt zu Protagonisten, die für den Eskapierenden, den Leser und Zuschauer auf einer gewissen Ebene immer fremdartig und sogar abstoßend sein müssen.
Der Khal hatte nach den eigenen - und auch nach Daenerys' - Maßstäben jedes, auch das moralische Recht, sie zu vergewaltigen. Doch mit solchen Handlungen macht man sich keine Freunde unter den Konsumenten.
Die Szene im Buch ist, denke ich, eine hervorragende Lösung. Der Protagonist zeigt innerhalb der Grenzen, die ihm sein Kosmos gewährt, Menschlichkeit. Er ist barbarisch - aber nicht bösartig. Man kann mit ihm empfinden - er ist an gewisse Normen gewöhnt, aber er ist kein schlechter Mensch, der absichtlich Schaden zufügen will. Wenn er das tut - und man darf nicht vergessen, wer er eigentlich ist, der Anführer einer manchmal barbarischen, plündernden Horde - dann immer ohne Schuldbewusstsein. Unmittelbar konfrontiert mit Leid schreckt er zurück.
Es ist auch deswegen eine so schöne Szene, weil die beiden später zu einer Übereinkunft gelangen, welche innerhalb des vorgegebenen Rahmens funktioniert. Daenerys duldet eine gewisse Menge an unerwünschtem und nicht besonders angenehm empfundenen Sex und Khal Drogo hält sich zurück, soweit es seine Rolle als Anführer eben erlaubt.
Ich kann durchaus verstehen, dass die Serie diese herrliche Dynamik verändern wollte, zugunsten eines Wachstumsprozesses, in dem die beiden miteinander gebundenen Protagonisten langsam lernen, Glück in dieser Beziehung zu finden. Aber ich kann mir nicht helfen - das Ganze sieht dann doch eher wie ein Zivilisierungsprozess, ausgeführt durch die reine junge Heldin am barbarischen Wilden aus.
Khal Drogo, der Bücherne musste von Daenerys nicht zivilisiert werden. Er war es schon.
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