(Ja, ja, ich weiß. "Er hat sich viel zu viel Zeit gelassen.")
Zum Thema Willensfreiheit, weil ... ich es will:
Der Disput dreht sich dieser Tage meistens um Neurologie, Hirnforschung und theologisch-philosophische versus biologische Erwägunge.
.Aber ich, Trendsetter der ich bin, habe schon nicht an die Freiheit des Willens geglaubt, bevor es cool wurde.
Ich denke, dass das Konzept der Willensfreiheit nicht nur empirisch, sondern auch bereits logisch widerlegbar ist. Oder doch zumindest angreifbar. Dass es eben auch außerhalb von Kernspintomographen in der Diskussion valide Argumente dagegen gibt.
Aber das nur als Rahmen.
Hier in diesem Post soll es mal nicht um den letzten, definiten Beweis für oder gegen eine Idee gehen. (Enttäuschend, ich weiß.)
Zwei kleine Anmerkungen. Indizien, eben.
Egal, auf welcher Seite man steht, das hier ist, denke ich, eine Konstante:
Zum einen, selbst, wenn man (wie ich) das Konzept eines freien Willens für falsch und illusionär hält - für seine eigenen Handlungen, und insbesondere für seine eigenen Entscheidungen muss man es verwenden.
Der freie Wille mag eine Illusion sein, aber er ist zumindest eine notwendige Illusion. Die logische Voraussetzung für eine willentliche (aha!) Entscheidung ist die zumindest vorgetäuschte Möglichkeit, dass ich mich auch hätte anders entscheiden können.
Die Illusion von zwei gleichermaßen gangbaren Wegen ist die geistige Voraussetzung dafür, dann denjenigen zu gehen, der bereits vorher festgelegt war.
(Durch unsere Persönlichkeit und unsere Natur nämlich ... aber ich schweife ab.)
Zum anderen aber lehnen selbst diejenigen, die fest von der Willensfreiheit überzeugt sind, dieses Konzept implizit für ihre Mitmenschen ab.
Wann immer wir das Verhalten eines anderen betrachten, versuchen wir es auf eine deterministische Weise zu erklären. Wir fragen nach Gründen, und diese Gründe stellen die Grundlage einer Art von geistigem Konstrukt dar. Wir versuchen gewissermaßen den anderen in unserem Geist als ein deterministisches Modell zu simulieren, um so seine Handlungen vorherzusagen.
Ja, schon die Idee, das man die Handlungen eines anderen vorhersagen kann, widerspricht implizit dem Gedanken, dass dieser einen freien Willen hat.
Besuche ich einen Freund und läute an seiner Tür, so erwarte ich, dass er sie öffnen wird. Springt er dann stattdessen unter lautem Gejodel aus dem ersten Stock, so führe ich dies nicht etwa auf eine freie Willensentscheidung zurück, die keiner weiteren Erklärung mehr bedarf.
Nein, ich frage mich: "Was mag der Grund dafür sein?". (Wichtolin forte, in diesem Fall.)
Und dieses Muster zieht sich bis in die kleinsten Verästelungen fort. Auch in minimalen Verhaltensabweichungen führen wir die Frage nach dem Warum niemals auf Willensfreiheit zurück. Denn sobald ich diese Frage stelle, sobald ich mich frage: Warum hat er das gemacht ...
... ab diesem Moment habe ich ihm bereits den freien Willen abgesprochen.
Zumindest für den Zweck, seine Handlungen zu erklären.
Was will ich damit sagen?
Mir scheint, egal ob das Konzept der Willensfreiheit valide ist oder nicht, wir haben es eindeutig nicht nur aus intellektueller Überlegung heraus geschaffen.
Der Gedanke des freien Willens ist auch ein geistiges Werkzeug. Wir verwenden es, um unsere eigenen Entscheidungen logisch möglich zu machen. Und wir verwenden es eben absichtlich nicht, wenn wir die Entscheidungen der anderen zu verstehen suchen. Ich denke, dass ist zumindest ein gutes Indiz dafür, dass der Ursprung der Frage nach dem freien Willen vielleicht gar nicht in einer Frage nach einem empirischen Sachverhalt liegt.
Willensfreiheit ist möglicherweise nichts, was wir entdeckt haben und nun zu erklären suchen.
Es ist etwas, das wir erfunden haben, um damit etwas tun zu können.
Zum Thema Willensfreiheit, weil ... ich es will:
Der Disput dreht sich dieser Tage meistens um Neurologie, Hirnforschung und theologisch-philosophische versus biologische Erwägunge.
.Aber ich, Trendsetter der ich bin, habe schon nicht an die Freiheit des Willens geglaubt, bevor es cool wurde.
Ich denke, dass das Konzept der Willensfreiheit nicht nur empirisch, sondern auch bereits logisch widerlegbar ist. Oder doch zumindest angreifbar. Dass es eben auch außerhalb von Kernspintomographen in der Diskussion valide Argumente dagegen gibt.
Aber das nur als Rahmen.
Hier in diesem Post soll es mal nicht um den letzten, definiten Beweis für oder gegen eine Idee gehen. (Enttäuschend, ich weiß.)
Zwei kleine Anmerkungen. Indizien, eben.
Egal, auf welcher Seite man steht, das hier ist, denke ich, eine Konstante:
Zum einen, selbst, wenn man (wie ich) das Konzept eines freien Willens für falsch und illusionär hält - für seine eigenen Handlungen, und insbesondere für seine eigenen Entscheidungen muss man es verwenden.
Der freie Wille mag eine Illusion sein, aber er ist zumindest eine notwendige Illusion. Die logische Voraussetzung für eine willentliche (aha!) Entscheidung ist die zumindest vorgetäuschte Möglichkeit, dass ich mich auch hätte anders entscheiden können.
Die Illusion von zwei gleichermaßen gangbaren Wegen ist die geistige Voraussetzung dafür, dann denjenigen zu gehen, der bereits vorher festgelegt war.
(Durch unsere Persönlichkeit und unsere Natur nämlich ... aber ich schweife ab.)
Zum anderen aber lehnen selbst diejenigen, die fest von der Willensfreiheit überzeugt sind, dieses Konzept implizit für ihre Mitmenschen ab.
Wann immer wir das Verhalten eines anderen betrachten, versuchen wir es auf eine deterministische Weise zu erklären. Wir fragen nach Gründen, und diese Gründe stellen die Grundlage einer Art von geistigem Konstrukt dar. Wir versuchen gewissermaßen den anderen in unserem Geist als ein deterministisches Modell zu simulieren, um so seine Handlungen vorherzusagen.
Ja, schon die Idee, das man die Handlungen eines anderen vorhersagen kann, widerspricht implizit dem Gedanken, dass dieser einen freien Willen hat.
Besuche ich einen Freund und läute an seiner Tür, so erwarte ich, dass er sie öffnen wird. Springt er dann stattdessen unter lautem Gejodel aus dem ersten Stock, so führe ich dies nicht etwa auf eine freie Willensentscheidung zurück, die keiner weiteren Erklärung mehr bedarf.
Nein, ich frage mich: "Was mag der Grund dafür sein?". (Wichtolin forte, in diesem Fall.)
Und dieses Muster zieht sich bis in die kleinsten Verästelungen fort. Auch in minimalen Verhaltensabweichungen führen wir die Frage nach dem Warum niemals auf Willensfreiheit zurück. Denn sobald ich diese Frage stelle, sobald ich mich frage: Warum hat er das gemacht ...
... ab diesem Moment habe ich ihm bereits den freien Willen abgesprochen.
Zumindest für den Zweck, seine Handlungen zu erklären.
Was will ich damit sagen?
Mir scheint, egal ob das Konzept der Willensfreiheit valide ist oder nicht, wir haben es eindeutig nicht nur aus intellektueller Überlegung heraus geschaffen.
Der Gedanke des freien Willens ist auch ein geistiges Werkzeug. Wir verwenden es, um unsere eigenen Entscheidungen logisch möglich zu machen. Und wir verwenden es eben absichtlich nicht, wenn wir die Entscheidungen der anderen zu verstehen suchen. Ich denke, dass ist zumindest ein gutes Indiz dafür, dass der Ursprung der Frage nach dem freien Willen vielleicht gar nicht in einer Frage nach einem empirischen Sachverhalt liegt.
Willensfreiheit ist möglicherweise nichts, was wir entdeckt haben und nun zu erklären suchen.
Es ist etwas, das wir erfunden haben, um damit etwas tun zu können.
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