Also Ethik.
Ein sehr angenehmes Thema. Man kann sich nur schwer drin verheddern und ist beinahe automatisch relevant. In dem Sinne, dass es fürs Leben taugt. Wenn man sich denn irgendwann einmal vor einem Konzil aus pragmatischen, konventionell erfolgreichen und (zumindest in meinen Alpträumen) immer auch rabiat fränkelnden Gestalten für die gehabten Gedanken rechtfertigen muss.
Eine Frage, von der ich tatsächlich einen Hauch Schulphilosophie mitangehört habe. Der Disput geht längst über das Was hinaus und ist beim Warum angekommen. Die letzte Universallösung ist aufgeschrieben und wurde an die Massen verteilt. Unausgesprochen haben wir akzeptiert, dass, obgleich es sie gefühlt geben muss, sie doch nicht existieren kann.
Es scheint mir eine gute Entwicklung. Es scheint mir auch, das diese paradoxe Anschauung unserer eigenen Moral gleichermaßen systeminhärent wie unausweichlich falsch sein muss. Ethisches Denken bedingt geradezu Absolute - die wir fordern müssen und doch nicht erfüllen können.
Und es scheint mir, dass es angemessen ist, aufzudröseln. Nachdem die letzten Philosophen, welche Antworten auf alle Fragen versprachen, nun langsam ihren Hut nehmen, können wir vielleicht damit beginnen, Antworten auf nur wenige Fragen zu versprechen. Dafür ohne kognitive Dissonanz. Was ich schreibe, ist notwendigerweise falsch und unvollständig. Aber es erscheint mir etwas weniger unvollständig und falsch als die Alternativen. Kleine Schritte.
Ethik ist Flechtwerk. Die richtige Frage lautet in diesem Fall: Woher? Und Wozu?
Wenn wir uns fragen, wozu etwas dient, nützt es, sich dessen Grenzen zu betrachten, die Bereiche, in denen es eben nicht nützt. Ethik ist dann überflüssig, wenn es niemanden gibt, auf den sie anzuwenden wäre. Ein Stein ist nicht ethisch, und genausowenig ist ein einzelner Mensch. Es gibt Einwände - aber sie laufen doch alle darauf hinaus, einen zweiten Menschen einzuführen, sei es das eigene Ich als Gegenpart, Gott oder vielleicht auch die zukünftige oder vergangene menschliche Gesellschaft. Und daraus die zwingende Folgerung: Ethik dient dem Zwischenmenschlichen. Hier setzt das Flechtwerk ein. Ein System - ein nach Nützlichkeitsgraden bewertbares System für die Organisation einer Gesellschaft, ja, aber eine Gesellschaft existiert auf vielen verschiedenen Ebenen. Und sie existiert auch ohne bewusstes, menschliches Mittun.
Mir scheint daher, dass das, was wir als monolithischen Block betrachten - betrachten müssen, denn diese Ansicht ist der Ethik inhärent - sich in Wirklichkeit aus aufeinander aufbauenden Stufen zusammensetzt. Es fängt im Vormenschlichen an. Tiere haben eine Ethik. Es ist eine sehr starre, sehr einfache Ethik, gegen die der Einzelne kaum verstoßen kann, da sie ihm direkt in das Verhalten geschrieben steht. Aber sie existiert, und wir modifiziert. Auf eine natürliche Weise, durch Mutation und Selektion, mit wenig Rücksicht auf das Einzelwesen. Aber im Prinzip nicht anders als die menschliche Version.
Und diese Ethik besitzen wir immer noch, in Form von Instinkten, Gefühlen und zumindest einem Teil dessen, was wir als Gewissen bezeichnen.
Darüber der kulturelle Aufbau. Was anständig ist.. Was gesetzmäßig ist. Was höflich ist und dann das, was ethisch ist - in einem zentralratshaften, fachpublikationellen, regierungsentscheidischem Sinne des Wortes. Diese Ebenen bedingen sich gegenseitig und gehen ineinander über, aber sie sind nicht das Selbe.
und sie widersprechen sich, durchaus. Was wir als richtig empfinden mag doch nicht die richtige Planmung sein. Appelle ans Gefühl betrachten wir als ebenso ethisches Argument wie Appelle an die Vernunft, unter dem richtigen Vorzeichen. Aber sie sind verschieden.
Und dann noch dieses. Mir scheint, der große Beitrag der empirischen Vernunft zur Philosophie ist die Erkenntnis, dass die Welt kein menschliches Gebäude ist. Was wir uns denken, ist nicht unbedingt wahr. Und die Welt ist uns keine Perfektion schuldig. Das System muss nicht immer funktionieren, es muss nur gut genug funktionieren. Unsere entwickelte Ethik ist durchaus paradox, durchaus fehlerhaft und durchaus nicht universal.
Und es gibt keinen Quellcode. Sie ist ein Werkzeug, kein Gesetzbuch, und sie ist so beschaffen, wie es am geeignetsten war. Halt, streich das. Sie ist so beschaffen, wie sie sich ergeben hat. Ohne Rücksicht auf einen hypothetischen Idealzustand.
Daher mein Credo, vielleicht. Alle Ethik ist immer auch Verhandlungsache.. Der Apell an das Wahre, Gute, Richtige, er geht immer ins Leere. Es gibt nur das temporär Wahre, das möglicherweise Gute und das Richtige, das wir uns beide leisten können.
Die bessere Ethik der Zukunft kann nicht mehr aus Universalanleitungen entstehen, sondern muss als Werkzeug begriffen werden.
Muss?
Nun, ich empfehle es zumindest.
(Mögliche Verwirrung begegne ich mit Hinweis auf den Titel.)
Ein sehr angenehmes Thema. Man kann sich nur schwer drin verheddern und ist beinahe automatisch relevant. In dem Sinne, dass es fürs Leben taugt. Wenn man sich denn irgendwann einmal vor einem Konzil aus pragmatischen, konventionell erfolgreichen und (zumindest in meinen Alpträumen) immer auch rabiat fränkelnden Gestalten für die gehabten Gedanken rechtfertigen muss.
Eine Frage, von der ich tatsächlich einen Hauch Schulphilosophie mitangehört habe. Der Disput geht längst über das Was hinaus und ist beim Warum angekommen. Die letzte Universallösung ist aufgeschrieben und wurde an die Massen verteilt. Unausgesprochen haben wir akzeptiert, dass, obgleich es sie gefühlt geben muss, sie doch nicht existieren kann.
Es scheint mir eine gute Entwicklung. Es scheint mir auch, das diese paradoxe Anschauung unserer eigenen Moral gleichermaßen systeminhärent wie unausweichlich falsch sein muss. Ethisches Denken bedingt geradezu Absolute - die wir fordern müssen und doch nicht erfüllen können.
Und es scheint mir, dass es angemessen ist, aufzudröseln. Nachdem die letzten Philosophen, welche Antworten auf alle Fragen versprachen, nun langsam ihren Hut nehmen, können wir vielleicht damit beginnen, Antworten auf nur wenige Fragen zu versprechen. Dafür ohne kognitive Dissonanz. Was ich schreibe, ist notwendigerweise falsch und unvollständig. Aber es erscheint mir etwas weniger unvollständig und falsch als die Alternativen. Kleine Schritte.
Ethik ist Flechtwerk. Die richtige Frage lautet in diesem Fall: Woher? Und Wozu?
Wenn wir uns fragen, wozu etwas dient, nützt es, sich dessen Grenzen zu betrachten, die Bereiche, in denen es eben nicht nützt. Ethik ist dann überflüssig, wenn es niemanden gibt, auf den sie anzuwenden wäre. Ein Stein ist nicht ethisch, und genausowenig ist ein einzelner Mensch. Es gibt Einwände - aber sie laufen doch alle darauf hinaus, einen zweiten Menschen einzuführen, sei es das eigene Ich als Gegenpart, Gott oder vielleicht auch die zukünftige oder vergangene menschliche Gesellschaft. Und daraus die zwingende Folgerung: Ethik dient dem Zwischenmenschlichen. Hier setzt das Flechtwerk ein. Ein System - ein nach Nützlichkeitsgraden bewertbares System für die Organisation einer Gesellschaft, ja, aber eine Gesellschaft existiert auf vielen verschiedenen Ebenen. Und sie existiert auch ohne bewusstes, menschliches Mittun.
Mir scheint daher, dass das, was wir als monolithischen Block betrachten - betrachten müssen, denn diese Ansicht ist der Ethik inhärent - sich in Wirklichkeit aus aufeinander aufbauenden Stufen zusammensetzt. Es fängt im Vormenschlichen an. Tiere haben eine Ethik. Es ist eine sehr starre, sehr einfache Ethik, gegen die der Einzelne kaum verstoßen kann, da sie ihm direkt in das Verhalten geschrieben steht. Aber sie existiert, und wir modifiziert. Auf eine natürliche Weise, durch Mutation und Selektion, mit wenig Rücksicht auf das Einzelwesen. Aber im Prinzip nicht anders als die menschliche Version.
Und diese Ethik besitzen wir immer noch, in Form von Instinkten, Gefühlen und zumindest einem Teil dessen, was wir als Gewissen bezeichnen.
Darüber der kulturelle Aufbau. Was anständig ist.. Was gesetzmäßig ist. Was höflich ist und dann das, was ethisch ist - in einem zentralratshaften, fachpublikationellen, regierungsentscheidischem Sinne des Wortes. Diese Ebenen bedingen sich gegenseitig und gehen ineinander über, aber sie sind nicht das Selbe.
und sie widersprechen sich, durchaus. Was wir als richtig empfinden mag doch nicht die richtige Planmung sein. Appelle ans Gefühl betrachten wir als ebenso ethisches Argument wie Appelle an die Vernunft, unter dem richtigen Vorzeichen. Aber sie sind verschieden.
Und dann noch dieses. Mir scheint, der große Beitrag der empirischen Vernunft zur Philosophie ist die Erkenntnis, dass die Welt kein menschliches Gebäude ist. Was wir uns denken, ist nicht unbedingt wahr. Und die Welt ist uns keine Perfektion schuldig. Das System muss nicht immer funktionieren, es muss nur gut genug funktionieren. Unsere entwickelte Ethik ist durchaus paradox, durchaus fehlerhaft und durchaus nicht universal.
Und es gibt keinen Quellcode. Sie ist ein Werkzeug, kein Gesetzbuch, und sie ist so beschaffen, wie es am geeignetsten war. Halt, streich das. Sie ist so beschaffen, wie sie sich ergeben hat. Ohne Rücksicht auf einen hypothetischen Idealzustand.
Daher mein Credo, vielleicht. Alle Ethik ist immer auch Verhandlungsache.. Der Apell an das Wahre, Gute, Richtige, er geht immer ins Leere. Es gibt nur das temporär Wahre, das möglicherweise Gute und das Richtige, das wir uns beide leisten können.
Die bessere Ethik der Zukunft kann nicht mehr aus Universalanleitungen entstehen, sondern muss als Werkzeug begriffen werden.
Muss?
Nun, ich empfehle es zumindest.
(Mögliche Verwirrung begegne ich mit Hinweis auf den Titel.)
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