Ich bin in der heutigen Nacht zu der Überzeugung gekommen, dass Schlaf überflüssig ist. Nein, vielmehr umgekehrt: Die Überzeugung ist zu mir gekommen. Sie hat sich meiner bemächtigt, und mich vollkommen beherrscht. In der wirren Phase, zwischen Schlafen und Wachen, wenn man die Gedanken von der Leine lässt, da war ich mir auf einmal absolut sicher: Was ich hier tue, ist eine frivole Extravaganz, ein dekadenter Luxus. Schlaf. Und das noch, regelmäßig, jeden Abend. Natürlich, meine Laster halte ich ein. Nur meine Pflichten, die vernachlässige ich. Am selben Tag würde ich einen Freund besuchen. Und in diesem Nachtmoment war ich mir sicher - mit irrwitziger Klarheit sicher - dass der in diesem Moment fraglos mit etwas sehr viel Sinnvollerem beschäftigt war, als mit einer derartigen Zeitverschwendung. Es war um halb drei. Eine tiefere Ursache? Möglicherweise. Vage Schuldgefühle, zu weiche Matratze, zu viel Schlaf, Westerwelles eindrucksvolles Predigen gegen die ungehemmte spätrömische ...
Weltenflucht, Mythopoeia und freilaufende Philosophismen